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Skandalumwitterte Wahl des Präsidenten des argentinischen Fußballverbandes

18.10.2011 Kurz vor der Wahl des Präsidenten des argentinischen Fußballverbandes AFA kam es zu erheblichen Vorwürfen gegen den alten und neuen Präsidenten Julio Grondona. Sogar eine Strafanzeige wurde gestellt.

Schlammschlacht vor der Wahl

Am Tag vor der Wahl tauchte ein Video auf, auf dem der AFA-Präsident unbemerkt gefilmt wurde. Dabei äußert er sich sehr deutlich zu krummen Geschäften und Korruption, die mit seinem Wissen stattfinden. Selbst eine Anspielung auf die argentinische Präsidentin wird gemacht. Diese ermöglichte die millionenschwere Übertragung der Erstligaspiele in den öffentlichen Rundfunkanstalten. Dieses aus Steuermillionen finanzierte Projekt garantierte das Überleben vieler hoch verschuldeter Clubs. Die aus Sicht der Steuerzahler fragwürdige Gegenleistung ist die politische Werbung für ihre Regierung, die nun während der Fußballspiele ausgestrahlt wird.

Weiter erzählt Grondona von Schwarzgeldern, die im Zusammenhang mit der Vergabe von Übertragungsrechten geflossen seien. Das Video schließt mit einer Morddrohung an einen Reporter und einen Produzenten, die seine Herrschaft kritisch durchleuchten. “Wenn ich sie töten kann, werde ich sie töten”, so Grondona wörtlich.

Gleichzeitig tauchten Bankauszüge auf, die angeblich ein Vermögen Grondonas von etwa 30 Millionen Dollar auf schweizer Bankkonten bezeugen. Die Echtheit dieser Belege ist jedoch noch nicht erwiesen. Außerdem wurde eine Strafanzeige gegen Grondona wegen Betrugs gestellt.

Trotz der Vorwürfe wurde Grondona wiedergewählt

Der 80-jährige Grondona, der das höchste Amt des argentinischen Fußballverbandes bereits seit 1979 bekleidet, wurde jedoch allen Vorwürfen zum Trotz einstimmig wiedergewählt. Ein Gegenkandidat war auch nicht aufgestellt. Tumulte gab es jedoch im Vorraum. Kleinere Vereine, die sich unterrepräsentiert fühlen und die die durch Grondona geförderte Herrschaft der großen Klubs ablehnen, versuchten gerichtlich per Eilentscheid an der Abstimmung teilnehmen zu können. Der Forderung der Opposition, mit der Abstimmung zu warten, bis das Gericht über den Antrag entschieden habe, wurde jedoch nicht nachgekommen. Die Repräsentanten der kleinen Vereine verschafften sich zwar Zutritt zu den Vorräumen, die eigentliche Sitzung wurde jedoch ohne sie abgehalten.






© Harald Angles